Was ist eigentlich Genderequality?

(zur Ausstellung “Genderequality und vielfältige Gesellschaft”, 7.12.20 – Ende Januar 2021 im Schaufenster der neuen Jugendbibliothek unter den Arkaden des Aaltohauses)

„Genderequality“ – ein Begriff, den jeder bestimmt schon einmal irgendwo gehört oder gelesen hat. Aber oft bleibt es auch dabei. Daher will ich heute etwas genauer darauf eingehen, was Genderequality bedeutet, was dazu gehört und wie du deinen Teil dazu beitragen kannst, unsere Welt etwas besser zu machen.

Genderequality ist die Gleichstellung der Geschlechter. In den meisten Fällen geht es dabei um Männer und Frauen. Frauen haben viele ihrer heutigen Rechte erst viel später als Männer bekommen. Wie das Recht zu wählen oder überhaupt arbeiten zu dürfen, ohne dass ein Mann explizite Erlaubnis geben muss. Auch heute sind bestimmte Bereiche der Berufswelt von einem Geschlecht dominiert, es gibt sichtbar mehr Männer in Führungspositionen und Männer verdienen oft mehr Geld.

Diese Dinge sind teilweise nicht rechtlich bedingt, sondern stammen von gesellschaftlichen Erwartungen, wie sich Frauen und Männer verhalten sollten.

Frauen sollten eher zu Hause bleiben, um sich um die Familie zu kümmern, sie können gut putzen und kochen und sind generell emotionaler, während Männer stark und besser für physische Arbeit geeignet sind und nicht weinen.

Klischees, die oft tief im Unterbewusstsein der Gesellschaft verankert sind und so diese Spaltungen vertiefen.

Doch Menschen sind vielfältig und diese Erwartungen sind oft toxisch für Männer, Frauen und alle anderen.

Oft fokussiert sich das Thema Genderequality eher auf die Frauen, aber es gibt auch Bereiche, in denen Männer den Kürzeren ziehen. Besonders in sozialen Bereichen, z. B. wenn es um das Sorgerecht für Kinder geht, haben die Väter es sehr schwer und das selbst, wenn sie besser geeignet wären.
Außerdem werden Männer, die in sozialen Bereichen wie in Kindergärten arbeiten wollen, oft diskriminiert und ausgeschlossen, weil dieser Beruf als unmännlich angesehen wird. Im schlimmsten Fall werden sie sogar verdächtigt, pädophil zu sein, nur weil sie mit Kindern arbeiten wollen, ein Problem, welches Frauen in diesem Bereich nicht betrifft.

Ein weiterer Punkt ergibt sich, wenn man an Transgender-Menschen denkt.
Diese sind besonders häufig von Diskriminierung oder sogar Gewalt betroffen, die auf diesen sozialen Geschlechtsnormen basiert.

Wie man sieht, gibt es also einiges, was sich im Bereich Genderequality noch ändern muss, um eine tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen.
Zuletzt geht es nicht ausschließlich um Männer und Frauen, denn es gibt auch Menschen, die sich nicht mit diesen Geschlechtern identifizieren und Menschen, die intergeschlechtlich sind, was bedeutet, dass sie biologisch nicht einfach einem Geschlecht zuzuordnen sind.

Die Flagge für Intergeschlechtlichkeit

Ziel von Genderequality ist es also auch, intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen in der Gesellschaft gleich zu behandeln.
Bis 2013 war man rechtlich gezwungen, intergeschlechtliche Kinder bei der Geburt einem der binären Geschlechter zuzuweisen. Seit 2018 gibt es zudem die rechtliche Möglichkeit, seinen Personenstand auf „divers“ zu ändern oder bei intergeschlechtlichen Personen bei der Geburt einzutragen. Dies bietet auch Menschen, die sich als nicht-binär identifizieren, die Möglichkeit, ihre Identität anerkennen zu lassen. Diese Gesetze sind große Fortschritte, doch immer noch wissen viele Menschen nicht einmal, dass intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen existieren und die Akzeptanz dieser in der Gesellschaft lässt zu wünschen übrig.


Bei intergeschlechtlichen Neugeborenen werden häufig Operationen durchgeführt, um ihr Aussehen einem der binären Geschlechter anzupassen, obwohl diese in vielen Fällen nicht notwendig wären.

Nicht-binäre Menschen werden oft gar nicht anerkannt, als verwirrte Männer und Frauen bezeichnet oder ausgelacht.

Nichtbinär ist eine Sammelbezeichnung für Geschlechtsidentitäten, die außerhalb der Zweiheit von Mann und Frau liegen. Es ist kein „drittes Geschlecht“, wie man vielleicht denken würde, denn nichtbinäre Identitäten sind so vielfältig wie Menschen selbst. Manche empfinden sich komplett als ungeschlechtlich, andere als Kombination von Mann und Frau, wieder andere haben eine flexible Identität, die oft wechselt oder erfinden eigene Begriffe, um sich zu beschreiben. Sie alle sind verbunden dadurch, dass sie nicht strikt männlich oder weiblich sind.

Ein weiteres Ziel von Genderequality ist es also, auch für diese Menschen gleiche Behandlung und Rechte zu erlangen.

Nichtbinäre “Pride” (Stolz) Flagge, entworfen von Kye Rowan

Unsere Gesellschaft ist sehr vielseitig und das betrifft nicht nur Geschlechtsidentität.
Allein in Wolfsburg leben so viele verschiedene Menschen. Sie haben ihr eigenes Geschlecht und eigene sexuelle Orientierung, verschiedene Herkunftsländer, Religionen, sozialen Status und sind in komplett unterschiedlichen Lebensabschnitten.
Egal ob Immigranten, Obdachlose, Menschen mit Behinderungen oder Personen der LGBTQ+ Community, sie sind alle ein Teil dieser Welt und unserer Gesellschaft.

Um eine gesunde, vielfältige Gesellschaft zu erhalten, sollten wir uns über die Gruppen informieren, zu denen wir nicht gehören, insbesondere die Menschen, die oft unterdrückt oder ignoriert werden.

Alleine damit macht man die Welt zu einem besseren Ort. Zusätzlich kannst du, wenn du die Möglichkeit hast, an Organisationen spenden, die diesen Gruppen helfen. Oder Du kannst daran arbeiten, deine eigene Sprache inklusiv und leicht zu halten oder einfach Menschen so behandeln, wie du auch behandelt werden willst.

Wir sind alle verschieden, aber wir sind alle menschlich und ich hoffe dieser Artikel konnte dein Weltbild etwas erweitern.

-Rae

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