Der Bundesweite Vorlesetag 2019

Seit 2004 ist der Bundesweite Vorlesetag Deutschlands größtes Vorlesefest und eine gemeinsame Initiative von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung. Jedes Jahr am dritten Freitag im November setzt der Aktionstag ein öffentliches Zeichen für die Bedeutung des Vorlesens und begeistert Kinder und Erwachsene für Geschichten. Über eine halbe Million Menschen waren beim letzten Vorlesetag dabei und so waren natürlich auch wir, am 15. November 2019, wieder Teil der größten Vorlese-Bewegung Deutschlands.

Studien des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen ergaben, dass das Vorlesen einen überaus positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat. Denn: Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, verfügen über einen deutlich größeren Wortschatz als Gleichaltrige ohne Vorleseerfahrung, haben im Schnitt bessere Noten und später mehr Spaß am Selbstlesen und im Umgang mit Texten. Dennoch bekommen in etwa jeder dritten Familie in Deutschland Kinder von ihren Eltern zu selten oder nie vorgelesen – dabei würden bereits 15 Minuten am Tag genügen!

Um nun auf eben diesen Umstand hinzuweisen und darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die Chancengleichheit und die Ausbildungsfähigkeit unserer Kinder zu leisten, wurde der Bundesweite Vorlesetag vor 15 Jahren ins Leben gerufen. 

Unsere Aufgabe bleibt es weiterhin, Eltern zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist. Sie können im Alltag auf vielfältige Weise sprachliche Anreize geben. Viele, gerade bildungsferne Eltern, tun dies bereits. Dann ist es vom Märchenerzählen über das gemeinsame Betrachten des Fotobuchs zum klassischen Vorlesen nicht weit. Darauf wollen wir nicht nur am Bundesweiten Vorlesetag aufmerksam machen.

– Dr. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen.

So erfreute sich auch dieses Jahr die deutschlandweite Vorleseaktion wieder großer Beliebtheit – nicht zuletzt ist das wahrscheinlich vor allem den prominenten Vorlesern geschuldet, die sich am vergangenen Freitag unter anderem hier in Wolfsburg einfanden: Peter Maffay zu Gast in der Autostadt, Pierre Littbarski in der City-Galerie und Oberbürgermeister Mohrs in der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule.

Rund 50 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer fanden sich zum Aktionstag in der City-Galerie ein.

Zusammen mit der Volkshochschule Wolfsburg veranstalteten wir, die Stadtbibliothek, von 14:30 bis 16 Uhr, die Lesung in der City-Galerie mit dem ehemaligen Fußballprofi Pierre Littbarski. Auf dem Programm standen – wie sollte es auch anders sein – Kinderkrimis rund um den Fußball:

In „Die drei !!!, Fußballstar in Gefahr“ – dem femininen Pendant zu „Die drei ???“ – geraten die drei Jungermittlerinnen Kim, Franzi und Marie völlig aus dem Häuschen, als sie den Nachwuchs-Fußballer Bastian kennenlernen. Er hat die besten Chancen von einem Talent-Scout für den Trainingskader der U17-Nationalmannschaft ausgewählt zu werden, doch plötzlich geht beim Training alles schief. Wird er von jemanden aus dem eigenen Verein sabotiert? Mutig und clever stellen sich „Die drei !!!“ der Herausforderung.

Natürlich durften aber auch die drei berühmt-berüchtigten Kult-Detektive an diesem Tag nicht fehlen. In „Die drei ??? Kids, Bundesliga-Alarm“ geraten Justus, Peter und Bob mitten in einen Fall, der sie zu 27 Vereinen der Bundeliga führt: Die Meisterschale wurde gestohlen! Der wahnsinnige Dieb jagt „Die drei ???“ quer durch die Bundesliga, vom Hamburger SV bis zum FC Bayern, von Eintracht Braunschweig bis zum VfB Stuttgart…

Widmung und Signatur – ein Muss für die kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Fußball-Fans.

Nach spannenden Ermittlungen, einer Fragerunde und Autogrammstunde wurden alle Kinder – mit ihren Eltern im Schlepptau – schließlich zufrieden und bis über beide Ohren strahlend, in den Nachmittag entlassen. Denn Vorlesen, das ist auch im heutigen Zeitalter der Medien noch lange nicht aus der Mode geraten.

Neben dieser für alle (Vor-)Lese-Freunde und Hobby-Spürnasen ab sechs Jahren geeigneten Veranstaltung, boten wir am Freitagmorgen eine weitere Lesung in einer unserer Außenstellen, der Schulbibliothek der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule, an: Insgesamt 54 Schülerinnen und Schüler des siebten Jahrgangs versammelten sich in den ersten beiden Stunden und lauschten gebannt, während Oberbürgermeister Klaus Mohrs aus dem Buch „Alle lieben George, keiner weiß wieso“ von Frank Cottrell Boyce – übrigens ein Favorit aus dem Julius-Club 2019 – las.

Zweimal im Jahr ist Oberbürgermeister Mohrs auf Lese-Mission in Kindergärten oder Schulen unterwegs.

Vom Loser zum Mädchenschwarm wider Willen. So lässt es sich die humorvolle Jugendgeschichte wohl am besten zusammenfassen. Denn eigentlich ist George ein ganz normaler Junge. Mädchen interessieren ihn nicht – na ja, vielleicht bis auf Daniella. Und in der Regel interessieren sich Mädchen auch nicht für ihn. Na ja, vielleicht bis auf Daniella. Doch dann bekommt er zu seinem Geburtstag ein ungewöhnliches Geschenk von seinem Großvater und plötzlich kann er sich vor Aufmerksamkeit und Liebesbekundungen kaum noch retten. Was ist bloß passiert? Wie wird er all die Mädchen wieder los? Und warum interessiert sich ausgerechnet Daniella nicht mehr für ihn?

Mal abgesehen von der Vorliebe für Kriminalliteratur ist „Der lange Weg zur Freiheit“ von Nelson Mandela sein klarer Favorit, verrät Mohs.

Obwohl das Mysterium rund um die Teenager-Liebe offen blieb, schien die Lesung – dem freudigen Lachen und lautstarken Applaus der Jugendlichen nach zu urteilen – doch ein voller Erfolg gewesen zu sein. Bevor aber schließlich alle wieder in den Mathe-, Deutsch-, oder Geschichtsunterricht zurückkehren mussten, gab es noch einmal die Gelegenheit, dem Oberbürgermeister die brennendsten Fragen zu stellen. Eben das, was man schon immer mal wissen wollte:

Allgemeines Interesse bestand also vor allem darin, welche Bücher man lese (Krimis), welches Auto man fahre (Fahrrad) oder ob man einen Butler habe (nein, aber viele kompetente, nette Mitarbeiter und eine wirklich sehr gute Sekretärin). Und auch die vielen anderen, neugierigen Fragen wurden allesamt geduldig und mit einem Augenzwinkern beantwortet.

Nicht nur „Litti“ liest – die Kinder wurden animiert, selbst einmal in die Rolle des Vorlesers zu schlüpfen.

Was zum Schluss zu sagen bleibt, ist wohl nur noch, dass auch an diesem, bereits 16. Bundesweiten Vorlesetag wieder in aller Deutlichkeit hervorgetreten ist, wie immens das Interesse von Kindern und Jugendlichen am Vor- und Selbstlesen auch heute – in einer Zeit der Digitalisierung, der Massenmedien und permanenten Reizüberflutung – ist. Doch gehört dabei nicht zwingend ein gedrucktes Buch mit viel Text dazu. Comics, Bilderbücher, E-Reader, sogar das bloße Erzählen von Geschichten hilft Kindern, Sprache zu entwickeln und lesen zu lernen. Denn neben der Lesekompetenz geht es um die Praxis, das Tun und – vor allem – die Freude daran.

Lalü

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