Die indische Woche in der Stadtbibliothek

Indien – Vor dem inneren Auge erscheinen den meisten von uns nun wahrscheinlich zahlreiche Bilder des marmornen Taj Mahal, von kitschigen Bollywood Filmen, raffiniert drapierten Saris in den schillerndsten Farben, Bilder von mit Henna-Malerei kunstvoll verzierten Händen oder Schalen über Schalen voller orientalischer Gewürze in jeder nur erdenklichen Farbnuance. Bilder, wie aus „Tausendundeine Nacht“, als wären sie einem Hochglanzmagazin oder dem neusten Reisekatalog entsprungen.

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Und wahrscheinlich sind sie das auch größtenteils. Denn wer das über drei Millionen km² große Land, die Kultur, die Gesellschaft, noch nicht selbst zu Gesicht bekommen hat, verbindet das unserer abendländischen Kultur so fremde Indien nun wahrscheinlich oft mit genau diesen Stereotypen, die aus den Medien unbegrenzt und von allen Seiten auf uns einprasseln.

Auf der anderen Seite können aber eben diese durch die Medien verbreiteten Stereotype auch Angst machen: Grelle Schlagzeilen von Vergewaltigungen, massive Umweltverschmutzung und Bilder der Armut schrecken ab. Das ist die Negativliste, die gegen einen Besuch spricht. Aber wenn wir auf Deutschland schauen – wie viel haben die Schlagzeilen der hiesigen Boulevardpresse mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun? Auf der Positivliste steht Indien für Spiritualität, Yogis und Sadhus, für uralte Hochkulturen, die ganz Asien geprägt haben und glücklich scheinende Menschen.

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Was entspricht also tatsächlich der Realität und was ist doch mehr Klischee als Wirklichkeit?

Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen – und allen Interessierten das Land und seine Kultur einmal aus einem anderen Blickwinkel zu präsentieren – stehen wir, die Stadtbibliothek, für zwei Abende im November ganz unter dem Motto „Indien“ und bieten die Möglichkeit, sich auf eine „Rundreise“ durch das Land zu begeben, die keinesfalls nur geografisch, sondern mindestens genauso gesellschaftlich, kulturell und religiös gemeint ist.

Zur musikalischen Einstimmung beginnen am 7. November um 19:00 Uhr der Sitarist Yogendra und der Tabla-Virtuose Ashis Paul als Duo mit einem traditionell indischen Raga-Konzert im Lernzentrum unserer Zentralbibliothek. Und am 12. November, ebenfalls um 19:00 Uhr, ist der Reiseblogger Peter Witt zu Gast bei uns, um mit seinem Multivisionsvortrag „Keine Angst vor Indien“ einen Einblick in die bunte Vielfalt dieses südasiatischen Staats zu geben. Der Eintritt kostet jeweils 10,00 € (ermäßigt 8,00 €).

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Tabla-Virtuose Ashis Paul und Sitarist Yogendra

Aber was sind denn nun Sitar, Tabla oder Raga-Konzerte überhaupt? Sitar und Tabla zählen beide zu den Instrumenten der klassischen nordindischen Musik. Die Sitar – wörtlich „drei Saiten“ – ist eine gezupfte Langhalslaute, ein Saiteninstrument also, die sogar schon in Stücken der Beatles oder Rolling Stones zu hören war. Die Tabla – wörtlich „Trommel“ – ist ein Schlaginstrument, das aus zwei kleinen Kesseltrommeln besteht. Und traditionelle Ragas: Die sind in Indien das, was für uns die „Klassische Musik“ ist. Aber spätestens seit Ravi Shankars legendärem Auftritt beim Woodstock-Festival 1969 erfreuen sie sich auch im Westen zunehmender Bekannt- und Beliebtheit.

Yogendra – intensiv ausgebildet bei bedeutenden Meistern wie Ali Akbar Khan oder Partha Chatterjee – ist einer der ganz wenigen deutschen Musiker, die in der Lage sind, authentische Raga-Musik zu spielen. Sein Partner Ashis Paul aus Kalkutta, Meisterschüler von Anindo Chatterjee – einem der größten Tabla-Meister der letzten Jahrzehnte – spielt auf seinen Kesseltrommeln gleichermaßen einfühlsame Begleitungen wie auch atemberaubende Soli.

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Wer nach dieser außergewöhnlichen Musikeinlage auf den Geschmack gekommen ist und tiefer in die Welt, aus der diese besonderen Klänge stammen, eintauchen möchte, ist natürlich auch zu unserem zweiten indischen Abend herzlich eingeladen:

Peter Witt ist in der Kleinstadt Uelzen aufgewachsen – sozusagen also fast um die Ecke. Nach einer Assistenszeit bei Peter Kaus, Hannover und der Ausbildung beim Letteverein, Berlin, ist er heute tätig als selbstständiger Fotograf, Filmemacher und Werbefachmann für Industriekunden in Berlin. Nicht zu vergessen: Sein Blog „reise-ansichten“, den er zusammen mit seiner Partnerin Dana Albrecht führt.

Die Sehnsucht fremde Welten selbst zu erleben, habe ich schon in meinen Kindertagen beim Lesen gespürt. Zu den fantasievoll gezeichneten Bildern der Meckibücher ging meine Fantasie auf Reisen, in den 80er Jahren haben die legendären tours Hefte die Sehnsucht geerdet. Letztlich hat ein in den 50er Jahren vorübergehend nach Australien ausgewanderter Onkel gezeigt, dass das Leben in anderen Erdteilen auch ganz nett sein konnte…

– Peter Witt, aus „reise-ansichten“

Mit seinem Multivisionsvortrag, angelehnt an seine eigenen Erfahrungen, führt Witt seine Zuhörer auf eine virtuelle Rundreise durch Indien – 15 000 Kilometer vom Himalaya bis zum tropischen Süden, von den Wüsten im Westen bis in den kaum bekannten Nordosten. In Bildern und Filmsequenzen wird indisches Leben gezeigt, mit seinen Menschen, Tieren, faszinierenden Landschaften, Tempeln und historischen Plätzen. Darunter auch einige hervorragend erhaltene oder restaurierte Stätten, die zwischen 2000 und 2500 Jahre alt sind – eine Zeitspanne, aus der in Europa kaum mehr als Grundmauern erhalten sind. Neben touristischen Highlights berichtet der passionierte Reiseblogger auch von Orten, die nicht in jedem Reiseführer zu finden sind.

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Überdies sind vor allem auch die Religionen, die Verwobenheit von Buddhismus und Hinduismus und ihre Auswirkung auf das alltägliche Leben, ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch den Vortrag zieht. Denn sie seien, so Witt, der Schlüssel zu der erstaunlichen Lebenszufriedenheit der Inder. Ja sogar das häufig in der Kritik stehende Kastensystem trage hier seinen Teil dazu bei.

Wer ist blind?
Der eine andere Welt nicht sehen kann.
Wer ist stumm?
Der zur rechten Zeit nichts Liebes sagen kann.

Wer ist arm?
Der von allzu heftigem Verlangen Gequälte.
Wer ist reich?
Dessen Herz zufrieden ist

(Indisches Sprichwort)
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Mit „Keine Angst vor Indien“ stellt Peter Witt zudem aber auch Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen, Religionen, Schichten und Berufen vor. Darunter Unbekannte, wie geschichtlich Prägende. Lebensumfeld und Lebensweise werden dargestellt und der gesellschaftliche Rahmen angedeutet.

Exemplarisch zeigt der Besuch einer Dorfschule – die sich in einer Bambushütte befindet, aber gerade mit dem Thema Vorteile und Gefahren der sozialen Medien beschäftigt – die enorme Spannweite der Entwicklung Indiens.

In der westlichen Welt geboren zu sein ist ein Privileg, dachte ich immer. Wirtschaftlich gesehen ist das auch sicher richtig. Für dieses unverdiente Privileg etwas zurückzugeben, indem wir lokale Projekte, gerade in der Bildung, unterstützen wollten war auch ein Grund für unsere Reisen nach Asien. Das haben wir auch getan, aber inzwischen musste ich erkennen, das dieses Zurückgeben wollen auch schon wieder eine leicht arrogante westliche Sichtweise ist. Demütig musste ich gerade in Indien lernen, dass ich von den Menschen vielleicht mehr lernen konnte als umgekehrt.

– Peter Witt, aus „reise-ansichten“

Wessen Interesse jetzt geweckt ist, diese besonderen Abende gemeinsam mit uns zu verbringen, kann sich entweder telefonisch (unter 0 53 61 – 28 28 57) oder per Mail (an uwe.nuestedt@stadt.wolfsburg.de) anmelden.

Wir freuen uns auf Sie!

Lalü

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