Der Attentäter – Dr. Lutz van Dijk. Eine Lesung.

Nationalsozialistisches Deutschland, Winter 1938: Allein in einer Woche werden 800 Juden ermordet. Tausende ihrer Geschäfte, Wohnungen, Friedhöfe zerstört. Mehr als 30.000 werden inhaftiert, in Konzentrationslager deportiert. Die Novemberpogrome 1938 markieren den Übergang der Diskriminierung deutscher Juden zur systematischen Verfolgung. Und stellen den Beginn des größten Völkermordes der Menschheitsgeschichte dar – den Holocaust.

Die Reichspogromnacht – die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – gehört zu den vom nationalsozialistischen Regime organisierten und gelenkten Gewaltmaßnahmen gegen Juden in Deutschland und Österreich und ist Teil der Novemberpogrome.

Letztes Jahr, anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht, wurde passend dazu Lutz van Dijks 1988 erstmals erschienener Roman “Der Attentäter”, über die Hintergründe dieser Nacht, noch einmal neu aufgelegt. Und auch jetzt sind die darin thematisierten kulturpolitischen Inhalte noch mehr als aktuell: Mangelnde Hilfe für Flüchtlinge, Aufhetzung von Menschen zu “Vergeltungsaktionen” und “Deutschland den Deutschen”. Es stellt sich die Frage, was wir aus unserer Vergangenheit wirklich gelernt haben. Was Politik und Gesellschaft den neu erwachenden Feindseligkeiten gegenüber Geflüchteten und den wachsenden rechten Tendenzen in Deutschland entgegenzusetzen haben.

Daher laden wir, das Bildungshaus, dazu ein – kurz bevor sich die Reichspogromnacht zum 81. Mal jährt – am 22. Oktober 2019 von 19:00 bis 21:15 Uhr in unserer Zentralbibliothek, hier im Alvar-Aalto-Kulturhaus, der Lesung van Dijks aus seinem Roman “Der Attentäter”, über die Lebensgeschichte eines polnischen Juden, zu lauschen. Anschließend steht der Autor zum Gespräch zur Verfügung. Der Eintritt ist frei!

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist image-78.png

Paris, Anfang November 1938:
Der siebzehnjährige Herschel Grynszpan erfährt, dass seine Familie aus Hannover an die polnische Grenze abgeschoben wurde. Er selbst ist zu Besuch bei seinem Onkel Abraham in Paris. Verzweifelt plant er, den deutschen Botschafter aufzusuchen, um – notfalls mit Gewalt – seiner Familie zu helfen.

In der Botschaft kommt es zu einer dramatischen Auseinandersetzung mit dem Legationsrat Ernst vom Rath, bei der der Beamte von Herschel schwer verletzt wird und wenig später seinen Verwundungen erliegt.

Hitler mißbraucht diese Verzweiflungstat dazu, zur “Rache für die Mordtat von Paris” aufzurufen: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kommt es beinah überall in Deutschland zu Pogromen gegen die Juden. Grynszpans Tat wird zum Auftakt des Mordes an Millionen unschuldiger Menschen, die nicht mehr rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen können.

Bildquelle: pixabay.com

Mit seinem Erfolgsroman schafft van Dijk ein Werk, das nicht nur voller Spannung ist, sondern auch – und das ist das Entscheidende – einen Impuls setzt, sich mit hochaktuellen kulturpolitischen Themen auseinanderzusetzen. Es gelingt dem deutsch-niederländischen Autor, Fiktion und Historie zu gleichen Teilen zu verknüpfen. Fiktiv die Biographie Grynszpans – der 1938 tatsächlich den Mord an Ernst vom Rath verübte – nachzuzeichnen und dem Leser, in historische Fakten verpackt, zu präsentieren.

Ebenso wie “Der Attentäter” behandeln auch die anderen Werke des Schriftstellers Themen wie Nationalsozialismus, Homosexualität sowie Vorurteile gegenüber Menschen, die anders als die Mehrheit sind. Sie richten sich genauso an Kinder und Jugendliche, wie auch an Erwachsene.

Nachdem er erst als Lehrer in Hamburg und später sogar als Mitarbeiter im Anne-Frank-Haus in Amsterdam gearbeitet hat, lebt der Gustav-Heinemann-Friedenspreisträger heute – und das schon seit 2001 – in Kapstadt und ist dort Mitbegründer der Stiftung HOKISA, die von AIDS betroffenen Kindern ein Zuhause gibt.

Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und ist durch die Kooperation des Bildungshauses Wolfsburg, der Bibliotheksgesellschaft und der liberalen jüdischen Gemeinde Wolfsburg ermöglicht.

Wir freuen uns darauf, diesen besonderen Abend mit Ihnen zu verbringen!

Lalü

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.