Harry Potter Hörspielworkshop

Noch heute zieht Hogwarts – die Schule für Hexerei und Zauberei, die Harry und seine Freunde besuchen – Kinder auf der ganzen Welt in ihren Bann. Es scheint, als sei auch nach über zwei Jahrzehnten nichts von der geheimnisvollen Magie, die die Bücher umgibt, verloren gegangen. Und genau aus diesem Grund brachten wir in den Herbstferien diese Magie für drei Tage zu uns in die Stadtbibliothek und veranstalteten vom 10. bis zum 12. Oktober einen Harry Potter Hörspielworkshop zusammen mit zwölf jungen Hexen und Zauberern zwischen 10 und 14 Jahren.

“Mr und Mrs Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar. Niemand wäre auf die Idee gekommen, sie könnten sich in eine merkwürdige und geheimnisvolle Geschichte verstricken, denn mit solchem Unsinn wollten sie nichts zu tun haben.”

Rowling, J. K. (1998): “Harry Potter und der Stein der Weisen”. Hamburg: Carlsen Verlag.
Ob in Buchform, als Hörspiel oder sogar als illustrierte Ausgabe – das Harry-Potter-Angebot in unserer Stadtbibliothek ist vielfältig.

Mit diesen Zeilen eröffnete die britische Schriftstellerin J. K. Rowling vor nun mehr als 20 Jahren den ersten Teil ihrer berühmten Harry-Potter-Reihe. Er sollte zum Auftakt eines Welterfolgs werden. Bis heute wurde die siebenbändige Kinderbuchreihe rund um den jungen Zauberer Harry in 80 Sprachen übersetzt – sogar ins Lateinische und Altgriechische – und über 500 Millionen Mal verkauft. Und ihre Autorin – bis zur Veröffentlichung noch Sozialhilfeempfängerin – machte sie zu einer der reichsten Frauen Großbritanniens. Die Idee für ihre Geschichte kam Rowling während einer Zugfahrt von Manchester nach London 1990. Sechs Jahre später erschien “Harry Potter und der Stein der Weisen” (1998 dann in Deutschland), das Erstlingswerk der jungen Schriftstellerin, und machte sie auf einen Schlag weltbekannt.

Ich mag die Harry-Potter-Geschichten, weil sie so detailreich sind und ich mir alles gut vorstellen kann.”

Verrät Sophie (10), eine Teilnehmerin des Workshops
Der Sprechende Hut, der die Schüler in die vier Häuser verteilt (eigentlich ein alter Hexenhut, mit braunen Stoffresten getarnt).

Bevor sich die Potterheads jedoch an die Arbeit machen konnten, mussten sie natürlich – ganz à la Hogwarts-Tradition – zuerst in ihre Häuser aufgeteilt werden. So wurde unsere Kunstecke kurzerhand umfunktioniert in die Große Halle: Tische, zusammengeschoben zu einer langen Tafel, Hogwarts-Banner, LED-Teelichter und sogar der Sprechende Hut sorgten alsbald für das nötige magische Flair. Die Zuordnungszeremonie konnte beginnen. Ein Kind nach dem anderen wurde also aufgerufen, bekam den Sprechenden Hut aufgesetzt und rief dann laut das Haus, in das es eingeteilt werden wollte: Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin.

Die Große Halle, nachgestellt in unserer Kunstecke.

Ausgerüstet mit dem passenden Hauswappen auf dem Reverse, begannen die frisch gebackenen Hogwarts-Schüler*innen dann, erste Ideen für zwei ganz eigene Fan-Fictions rund um das Harry Potter Universum zu sammeln. Die erdachten Geschichten sollten schließlich als Leitfaden für das eigentliche Hörspiel-Drehbuch dienen.

Doch anders als in Rowlings Original, stehen hier ganz andere Charaktere, ja sogar eher die Underdogs oder selbst erschaffene Figuren im Mittelpunkt des Geschehens. Und nach eineinhalb Tagen harter Arbeit waren zwei ganz einzigartige, kreative Kurzgeschichten mitsamt Drehbuch und szenischer Einführung geschaffen und bereit, vertont zu werden: “Die Schlacht in Askaban” und “Hermine und der Zeitumkehrer”.

Die Kinder beim Einsprechen ihres Textes in der mobilen Sprecherkabine.

Unerwartet war jedoch für die Teilnehmer*innen, dass weitaus mehr Arbeit hinter einem Hörspiel steckt, als sich zuerst vielleicht vermuten lässt, wie die Medienproduzentin Sarina Flachsmeier, die am zweiten und dritten Tag den Workshop professionell unterstützte, verriet. Denn ein Hörspiel, anders als ein Hörbuch, umfasse mehrere Sprecher*innen, sowie Musik- und Soundeffekte zur klanglichen Untermalung. Das ganze sei also eher wie ein Film zu betrachten – eben nur ohne Bild. Erst dank ihrer Hilfe – und ihrer mobilen Sprecherkabine – war es letztlich möglich, die Fantasie der Kinder in die Wirklichkeit umzusetzen. Um das Ganze nun so realistisch wie möglich wirken zu lassen, wurden viele Soundeffekte unter anderem auch selbst aufgenommen. Den jungen Autor*innen blieb es also auch nicht erspart, sich bald selbst auf die Suche nach den passenden Sounds zu machen: Quietschende Fensterläden, knarrende Türen, hallende Schritte – all dem wurde plötzlich besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Konzentrierte Arbeit – Jeder half tatkräftig bei der Mitgestaltung.

Nur bei der Musik wurden die Kinder bald vor eine ihnen unbekannten Herausforderung gestellt: Nutzungs- und Urheberrechte. Denn als sie ihrem Werk nun noch den letzten Schliff mit der bekannten Potter-Musik verleihen wollten, erklärte unsere Medienpädagogin Madita Heubach der verwunderten Gruppe, dass man nicht einfach jeden Sound aus dem Internet verwenden könne, da ein Großteil der Musik eben nicht kostenlos ist und in Folge dessen Gema-Gebühren anfallen. Und zwar ziemlich hohe Gema-Gebühren. Einer der Lerneffekte, der die Kinder spielerisch und unterschwellig auch in ihrer Medienkompetenz fördern sollte.

Nachdem zuletzt aber auch diese Hürde genommen war, gab es nur noch eins zu erledigen: Die Cover der CD-Hüllen gestalten, auf die das fertige Hörspiel später gebrannt werden sollte. Und am Ende des letzten Nachmittags war es schließlich vollbracht: Die Kinder hatten zwar unter Anleitung, aber doch überraschend selbständig, in nur drei Tagen ihr erstes eigenes Hörspiel nicht nur geschrieben, sondern auch vertont. Was für eine Leistung!

L.H & Lalü

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