Ä …

Was hat Musik [schon] mit Politik zu tun?, fragte dereinst Mick Jagger lakonisch, nur, um wenig später mit den Stones das durch und durch politische Album Exile on Main Street aufzunehmen, auch wenn Politik nicht darin vorkommt (Quelle, Jean-Martin Büttner: Sänger, Songs und triebhafte Rede, S. 217).

Abgesehen davon ist unter bestimmten Voraussetzungen jede Musik politisch. Skeptiker allerdings könnten der eingangs gestellten Frage dennoch zustimmen, denn Rock ist längst schon nicht mehr die Waffe einer Subkultur gegen die etablierte Kultur. Vielmehr ist er selber etabliert (Quelle), obgleich zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört, die vorangegangene Generation zu ärgern (Quelle: Jean-Martin Büttner: Sänger, Songs und triebhafte Rede, S. 94).

Doch nur zu oft überführt Rockmusik politische Themen in Unterhaltung: Sie verkürzt die Analyse auf eine Anekdote (Quelle, ebda., S. 385).

Gleichwohl: Machine Gun, das verzweifelte und musikalisch revolutionäre Stück von Jimi Hendrix gegen den Vietnamkrieg […], war ein seltener Fall: ein Höhepunkt der neueren Musikgeschichte und zugleich der Protestbewegung. (Quelle).

Apropos Protestbewegung. Punk ist die wohl politischste aller Strömungen und wesentlich mehr als nur Musik. Punk ist vor allem auch Lebenseinstellung, Attitüde gegenüber Institutionen und Gesellschaft, Punk ist aber auch Mode, ja sogar Design. Vor allem aber […] ist Punk das, was im Kopf passiert, nicht das, was man am Körper trägt (Quelle).

Mit dem Aufkommen der Bewegung gaben die Jugendlichen den Behörden Rätsel auf: … eine Schar befremdlich kostümierter Jungen und Mädchen, immer gut für einen handfesten Zoff, selten (sic) über 18 Jahre alt, ein loser Zusammenhalt, der sich immer wieder spontan bildet, bei Musikveranstaltungen und in Kneipen, eine unzufriedene Jugend, aber ohne konkrete Forderungen, Liebhaber von sogenanntem Punk-Rock mit teilweise sozialkritischen Texten (Quelle).

Die Ärzte sind neben den Toten Hosen die diesbezüglich bedeutendste deutsche Band (hier geht es zu einem internationalen Klassiker-Ranking), und Ä lautet der aktuelle Titel ihrer autorisierten Biographie.

Dieses und andere Medien haben wir in einer spannenden Ausstellung zum Thema im Lernzentrum Fallersleben bereitgestellt, darunter moderne Klassiker wie Please Kill Me: die unzensierte Geschichte des Punk von Legs McNeil und Gillian McCain. Aber auch Medien zu den bereits erwähnten Rolling Stones, eine der größten Rock-Zirkus-Attraktionen aller Zeiten. Eine Mick-Jagger-Biographie von Philip Norman sowie ein kleines Reclam-Taschenbuch des 2013 als Fachjournalist des Jahres ausgezeichneten Ernst Hofacker mit gerade einmal 100 Seiten lassen die Geschichte der Stones und einem ihrer leader Revue passieren. Um die Band und ihren Frontmann ranken sich ja zahleiche Mythen, sie waren einst die coolste Gang des Planeten (Quelle: Ernst Hofacker: Rolling Stones, S. 6). So ließ sich Mick Jagger beispielsweise 1969 in London mit einer Limousine zu einer Demonstration fahren, nur, um dort ein paar Straßenzüge zu demonstrieren.

Es ist eine in unseren Breiten eher unbekannte Tatsache, dass Bibliothekare besondere Fähigkeiten besitzen. Ich ziele hier besonders auf deren Recherchefähigkeiten ab. Und mit Datenbanken haben sie entsprechend mächtige Werkzeuge an der Hand, um auch in den entlegensten Winkeln des Internets und des sogenannten Invisible Web nach dergleichen Informationen zu recherchieren.

In diesem Sinne

Sieb

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