Kulturmitte – Zwischen den Jahren: “Waffenstillstand in der Umlaufbahn”

Eine „Bezeichnung“, die zum Ende eines jedes Jahres immer wieder aufleuchtet und ganz selbstverständlich so dahin gesagt wird: „Zwischen den Jahren“! „Zwischen den Jahren“ meint ursprünglich die Zeit zwischen Weihnachten und Heilige Dreikönige am 6. Januar.

"Zwischen den Jahren", "Zwischen den Festtagen" oder "Altjahrswoche"?

Wenn ich „Zwischen den Jahren“ nutze, dann genau genommen nur für die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. Andere sagen „Zwischen den Feiertagen“ oder wenn es ganz fachwissend klingen soll „Altjahrswoche“, was schon den „Altjahrsabend“, den Silvestertag, also den letzten Tag des Jahres, im Visier hat.

Alle Bezeichnungen haben für mich eines gemein. Sie klingen nach: nicht mehr im alten und noch nicht im neuen Jahr die Zeit anhalten oder einfach “aus der Zeit fallen” zu dürfen. Und sie meinen: jetzt kann ich mal durchatmen und wenn auch nur für kurze Zeit zur Besinnung kommen!

Verschollen zwischen fremden Welten

„Lost in Space“- “Verschollen zwischen fremden Welten”- gerade kommt mir auch dieses Bild und die dazu passende Vision in den Sinn: nach Weihnachten werden wir alle in die Umlaufbahn geschossen und treten erst im neuen Jahr wieder in die Atmosphäre ein.

Lieber "Lost in Library" als "Lost in Space" zwischen den Jahren
“Zwischen den Jahren” – lieber “Lost in Library” als “Lost in Space”! https://s.insta360.com/p/fc69114893c4015d64ffe2af8c11f97f

Und wenn wir diese Zeit „in between“ nicht für Urlaub oder Erholung zwischen den Festen oder für schnörkellosen Müßiggang nutzen, dann lassen wir vernachlässigte alte Freundschaften wieder aufleben oder sind eben doch mit den Jahresendzeit-Klassikern beschäftigt: Inventur auf der Arbeit und / oder Warenumtausch im Einzelhandel.

Zeit des "Waffenstillstands", der Bräuche und des Aberglaubens

In jedem Fall ist unsere „Zeit zwischen den Jahren“ eine Zeit des “Waffenstillstands”, denn so richtig schlimme Dinge passieren während dieser Schonfrist in der Regel nicht. Bisher zumindest nicht!?

Fremd sind mir die verschiedenen Bräuche „zwischen den Jahren“ oder genauer gesagt, ist mir der Aberglaube, der mit diesen Bräuchen verbunden ist:

Es sollte weder Wäsche gewaschen, Staub gewischt oder genäht werden, das würde Unheil heraufbeschwören. Und positiv – da haben wirs (s.o.) – gegenseitige Besuche zwischen den Jahren würden Freundschaften festigen und Träume in den Altjahrsnächten würden im neuen Jahr in Erfüllung gehen.

Gar nicht auszudenken, welch enormer Erfolgsdruck auf uns lastete, würden wir diesen Abergläubigkeits-Anordnungen noch Folge leisten.

Nur Angenehmes "zwischen den Jahren"!

Ich plädiere für den radikalen „Waffenstillstand“ zwischen den Jahren. Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, sollte man die letzte Woche im Jahr müßiggehend und rekapitulierend verbringen. Vielleicht auch einiges von dem aufarbeiten, was liegen blieb. Nur keine unangenehme Arbeit, das bloß nicht!

"Zwischen den Jahren" - Zeit auch für ein Backup
“Zwischen den Jahren” – Jetzt wirds aber Zeit für ein Backup

Ob nun unterwegs oder zu Hause – in jedem Fall die Füße hoch, sich vielleicht Filmklassiker vornehmen, die man immer schon mal sehen wollte. Währenddessen ein Backup für die eigenen und die Devices der Familie vornehmen und Ordnung in die Appsammlung auf dem Smartphone bringen. Entliehene digitale Onleihe-Medien zu Ende lesen und sich neue herunterladen.

"Zwischen den Jahren" - Neues und Aktuelles aus der Stadtibliothek holen!
“Zwischen den Jahren” – Neues und Aktuelles aus der Stadtbibliothek holen!

 

Oder zum Beispiel ganz einfach die Bücher, die sich übers Jahr in verborgenen Bücherregalen oder unterm Bett verkrochen, zu Ende lesen. Falls es diese Rückstände alle nicht mehr gibt, lohnt sich morgen und Freitag auf jeden Fall noch der Besuch bei uns in den Bibliotheken im Alvar-Aaltohaus.

Uwe Nüstedt

3 Comments

  1. Lieber Uwe – was für ein toller Beitrag! Spricht mir aus der Seele, ich ziehe mich in der Zeit zwischen den Jahren auch lieber zurück statt mich ins Getümmel zu werfen. Und das Foto – großartig!
    Hier noch ein Buchtipp:
    Böttcher, Cornelia: Das Buch der 12 heiligen Nächte
    9783934839014
    Eine gute Zeit
    Petra

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