Adelheid Wedel: “Vom Privileg des Vergleichs”

Am gestrigen Abend konnten wir gemeinsam mit unserer Bibliotheksgesellschaft Adelheid Wedel begrüßen, die ihr mit  Heike Schneider herausgegebenes Buch “Vom Privileg des Vergleichs” vorstellte.

Für diejenigen, die sie mal im Radio hören wollen – Frau Wedel ist als sog. “freie-feste Mitarbeiterin” beim Deutschlandradio Kultur  beschäftigt. Wer sie lesen will, kann das auch auf der Website des Deutschlandradios machen, hier ist sie in der Rubrik Fazit am Abend mit der Kulturpresseschau betraut. Aber das nur am Rande.

Adelheid Wedels und Heike Schneiders Buch versammelt Interviews und Texte prominenter Ostdeutscher.

"Vom Privileg des Vergleichs": Adelheid Wedel
“Vom Privileg des Vergleichs”: Adelheid Wedel

Thema aller Texte waren die zwei unterschiedlichen Gesellschaftordnungungen der DDR und der BRD, die eben nur Menschen vergleichen können, die beides erlebt haben. “Wie habt Ihr früher und heute gelebt?”, das wollten Wedel und Schneider von z. B. Andreas Dresen,  Peter Sodann, Friedrich Schorlemmer, Christoph Dieckmann, Hans Joachim Maaz und Christa Luft wissen.

Und so entstand ein sehr interessantes und vielfältiges Bild vom Leben der Menschen in der DDR. Und eins wurde schnell klar: wenn man überhaupt vom einem “Unrechtsstaat DDR” sprechen will, dann können damit nicht die 17 Millionen DDR-Bürger gemeint sein, sondern nur der erstarrte und verkrustete Staatsapparat  DDR.

"Die DDR ein Unrechtsstaat?"
“Die DDR ein Unrechtsstaat?”

Die Spannbreite der geschilderten Erfahrungen “Früher-Heute” reichte von positiven Einschätzungen der “neuen” Freiheit im  vereinigten Deutschland bis hin zu sehr kritischen Berichten auch über die Nachwende-Zeit.

Mich persönlich hat besonders Friedrich Schorlemmer beeindruckt:  “Ich brauche kein Amt, nur immer neuen Mut!” Aber auch eine Anekdote, die Adelheid Wedel zum Schluß der Lesung erzählte über den ostdeutschen Kabarettisten Uwe Steimle (bekannt auch als Schweriner Hauptkommissar Jens Hinrichs aus der TV-Krimireihe Polizeiruf 110).

Zitat: “Früher habe ich in einem Unrechtsstaat mit sehr viel Recht gelebt und heute lebe ich einem Rechtsstaat mit sehr viel Unrecht.”

Es kommt sicherlich immer auf den Standpunkt an, aber in einem hat Adelheid Wedel ganz bestimmt recht: West- und Ostdeutsche kommen sich mit ihren Biographien nur näher, wenn sie sich ihre unterschiedlichen Lebensgeschichten einfach nur erzählen.

Interessante Autorin, interessanter Abend und für alle, die es verpaßt haben: Adelheid Wedel hat uns ein Exemplar “ihres” Buches überlassen, das Dank der Bibliotheksgesellschaft in der Bibliothek ausgeliehen werden kann.

Uwe Nüstedt

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